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Desinfektionskosten auch bei fiktiver Abrechnung

#765 von Sachverständiger
Desinfektionskosten auch bei fiktiver Abrechnung wurde erstellt von Sachverständiger
AG Amberg, Urteil vom 29.01.2021, AZ: 2 C 624/20

Hintergrund:
Die Parteien streiten um die Zahlung restlichen Schadenersatzes nach einem Verkehrsunfall. Der Kläger rechnet den Schaden fiktiv auf Gutachtenbasis ab und macht ausgehend von dem vollen Schadenbetrag 3.199,13 € Reparaturkosten geltend, wovon 2.487,16 € auf die Netto-Reparaturkosten, 75,00 € auf die Wertminderung, 606,97 € auf die Gutachterkosten und 30,00 € auf die Unkostenpauschale entfallen. Die Beklagte hat torgerichtlich eine Regulierung von 75% der Kosten geleistet und zudem bei den Positionen Verbringungskosten, Ersatzteilpreisaufschläge und Corona-Desinfektion vorgenommen.

Sie geht von einem Verschuldensbeitrag des Klägers von 25 % aus.

Aussage:
Auch das AG Amberg ist der Ansicht, dass die Schadenverursachung zu 75 % bei dem Versicherten der Beklagten und zu 25 % bei dem Kläger liegt, sodass im Ergebnis nur 75 % der ursprünglich geltend gemachten Reparaturkosten geltend gemacht werden können.

Hinsichtlich der von der Beklagten vorgenommenen Kürzungen einzelner Schadenpositionen ist das Gericht der Ansicht, dass die Unkostenpauschale mit 30,00 € zu bemessen ist und nicht wie von der Beklagten angenommen mit 25,00 €.

Bezüglich der Kosten für die Fahrzeugdesinfektion führt das Gericht wörtlich aus:

„Die Kosten für die Corona-Desinfektion des klägerischen Fahrzeugs sind ebenfalls dem Grunde nach ersatzfähig. Insbesondere handelt es sich nicht nur um eine Arbeitsschutzmaßnahme der Werkstatt für die eigenen Mitarbeiter, vielmehr ist es vollständig nachvollziehbar, dass der Kläger in Pandemiezeiten nach einer Reparatur die Desinfektion seines Fahrzeugs erwarten können wird. Die Desinfektion würde ohne den Unfall auch nicht erforderlich werden, der Unfall ist äquivalent kausal. Die Maßnahme ist auch gerade nicht so weinliegend entfernt, dass sich die adäquate Kausalität ausschließen würde. Es liegt im Gegenteil eine nachvollziehbare, aus infektiologischen Gesichtspunkten gebotene Vorsichtsmaßnahme vor. Es wird nicht ernsthaft zu bestreiten sein, dass die Anwendung von Desinfektionsmitteln eine geeignete Maßnahme darstellt, Coronaviren, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auf Oberflächen ungeachtet einer vielleicht früher vertretenen Meinung des Robert -Koch-Instituts bis zu mehreren Tagen überlebensfähig sind, unschädlich zu machen. Insoweit handelt es sich um einen auch im Rahmen der fiktiven Abrechnung berücksichtigungsfähigen Posten.“

Die Höhe von 44,00 € beanstandet das Gericht nicht.

Praxis:
Nach den Ausführungen des AG Amberg sind Desinfektionskosten, die aufgrund einer Pandemielage anfallen auch im Rahmen der fiktiven Abrechnung zu erstatten, weil sie nur aufgrund des Unfallereignisses anfallen würden und zu diesem kausal sind.
  • Sachverständiger



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    Stand: 16. April 2022

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